Konzerttagebuch - privater Eintrag

Wieder liege ich grübelnd in meiner Koje im Nightliner, während der Bus über den Highway fliegt.
Ein Tag näher am Ende der Tour.
Ein Tag näher an der Rückkehr nach Hause.
In dieser Stunde, wenn das Dröhnen der Instrumente nur noch ein ferner Hall ist, das Schreien der Menge zur Erinnerung vergilbt, galoppieren meine Gedanken davon wie wilde Pferde.

Was tust du gerade? Liegst du wie ich unter der Decke der Nacht und denkst nach?
Schläfst du allein, erschöpft von einem anstrengenden Tag, in einem Bett, das Platz genug für uns beide hätte?
Und wenn das alles vorüber ist - wirst du erwartungsvoll in der Tür stehen, wenn ich zurückkomme? Mich mit diesem Lächeln begrüßen, wenn ich, müde und abgespannt, aber glücklich, das Haus betrete?
So viele Fragen, die ungeklärt bleiben.
In Momenten wie diesem möchte ich nur eins: bei dir sein. Dich umarmen und dir immer wieder zuflüstern, wie tief meine Gefühle für dich sind. Dass es nun nicht mehr lange dauert, bis wir einander wieder halten können.
Unmöglich.

Die Räder auf dem Asphalt singen ihr einschläferndes Lied, irgendwo eine leise Stimme vom jemandem, der noch nicht im Bett ist, die gewohnten Geräusche der Schlafenden um mich.
Morgen beginnt einmal mehr die Routine und dann wirst selbst du aus meinen Gedanken verschwinden. Für ein paar Sekunden, ein paar Minuten. Doch der Rest des Tages ist allein dir gewidmet.
Mit deinem Lächeln hinter meinen geschlossenen Lidern erwache ich am Morgen.
Deine Stimme begleitet mich, wenn ich arbeite, wenn ich warte.
Deine Augen blicken mich an, hundert Mal, tausend Mal schauen sie auf mich, wenn ich von der Bühne mein Lied singe. Wenn ich genau hinsehe, merke ich, dass es niemals deine Augen sind. Immer die von Fremden, doch ich singe weiter - nur für dich.
Ich weiß nicht, ob du dir dessen bewusst bist. So oft schon habe ich dir gesagt, wie ich für dich empfinde - doch ich lebe in diesen Tagen oft nur für den Moment, in dem ich dich wieder sehen darf.
Und nun, hier in der Enge, umgeben von den Menschen, die mir so viel bedeuten und die mein Leben mit mir teilen, werde ich zerfressen von Zweifeln. Wieder und wieder geht mir diese Zeile aus dem alten Lied durch den Kopf und ich überlege. Was, wenn es kein Morgen gibt? Wenn ich es dir nie mehr sagen kann?
Bis zu unserem Wiedersehen dauert es noch fünf Tage. Eine Woche fast.
Du sagst, du bist nicht sicher, ob du da sein wirst - aber ich hoffe und bete darum. Einmal nur lass mich mein Lied singen und wissen, dass DU da bist und es hörst.
Weil ich nicht mehr so lange warten möchte, lass es mich dir jetzt und hier sagen:
Ich vermisse dich.
Ich liebe dich.

D