A new chapter

Die Band war nicht mehr das, was wir uns alle gewünscht hatten. Und nun brach sie auseinander.
Ich sammelte seufzend mein Equipment zusammen, baute die Drums ab - zum letzten Mal.
Ende.
Insane tot?
Noch war der Gedanke nicht bis in mein Bewusstsein vorgedrungen, noch hatte ich nicht alle Konsequenzen erkannt.

Im Türrahmen immer noch deine Gestalt, deine leise Frage...
"Wohin jetzt?"
Und dann meine Antwort: "Fort von hier."
SO hatte ich das eigentlich nicht gemeint. Jetzt war ich hier, zurück in meinem Heimatland, weit fort von allem, was mich bisher definiert hatte.

Lange schon war das geplant gewesen. Ein Soloalbum.
Ich machte den größten Teil der Arbeit allein. Die Lieder waren schon fertig geschrieben - es waren all die Stücke, die Insane nie hätten veröffentlichen können.
Mechanisch spielte ich die Noten wieder und wieder, bis ich eine Aufnahme hatte, mit der ich zufrieden war.
Singen... nur ein Lied hatte ich gesungen bisher - und das war ausschließlich für dich gewesen - egal, wie viele Leute da unten in der Halle saßen und zuhörten.
Nun war es soweit. Das Album war fertig, verkaufte sich recht gut...und trotzdem...der, dem es gewidmet war, würde es nie hören.

-

Zärtliche Hände auf meinen Schultern, ein Flüstern in meinem Ohr verspricht mir diese Nacht.
Ich kann nicht...
Nein.
"Bitte... lass mich einfach in Ruhe. Wir haben ein Duett gesungen - mehr wird nicht sein."
"Warum lässt du niemanden an dich heran?" Augen suchen nach meinen. "Ich sagte: Lass mich in Ruhe!"
Das Schlagen der Tür sagt mir: Ich bin allein.

Wieder bin ich allein. Ich kann nicht reden, versteht doch!
Das hier ist ein neues Kapitel in meiner Geschichte - auch wenn es sich selbst schreibt auf eine Art, die ich nicht nachvollziehen kann.

"Do sureba i......", ich flüstere die Worte vor mich hin, es wird mir nicht richtig klar, dass ich in deiner Sprache spreche.
Ich sehe keinen Weg mehr, keine Hoffnung. Immer bewusster wird mir, dass ich dich liebe wie niemanden zuvor. Wie niemanden je wieder.

-

"Und ich?" Deine Augen hatten mich mit diesem Blick angesehen... du warst wieder der kleine verletzte Junge, verlassen und trotzig.
"Ich kann es nicht ändern. Das Angebot kann ich einfach nicht ausschlagen, versteh doch!"
Du hast nur mit dem Kopf geschüttelt, den ganzen Abend nichts mehr gesagt.
Tief in der Nacht, als mich deine Hände schmerzhaft hielten, als deine Tränen selbst im Schlaf nicht versiegen wollten, schwor ich mir, ich würde so schnell wie möglich wieder bei dir sein.

-

Das ist jetzt zwei Jahre her.
Noch immer kann ich das Salz deiner Tränen schmecken, höre dich flüstern, dein "Aishiteru..."
Und ich vermisse dich.

Die Tür öffnet sich vor mir, es klingt mir entgegen: "Willkommen zu Hause!"
Und wieder einmal zweifle ich, ob du mir das je verzeihen kannst.
Eine ‚Sie' in meinem Leben...
Ein flüchtiger Kuss, ich verstecke mich hinter der Kühlschranktür.
"Was ist los mit dir?"
Ich verschwinde ins Musikzimmer.
"Hey! Rede endlich mit mir!"
"Lass mich einfach in Ruhe, ja?" ...schon wieder...zweimal an einem Abend - irgendwas muss jetzt wirklich passieren.

Ich kritzele schon das x-te Blatt mit Noten voll, der Bleistift gibt den Geist auf und ich habe keine Nerven mehr.
Hat es überhaupt noch Sinn, so weiterzumachen?

Im Badezimmer stehe ich vor dem Spiegel - ich könnte mir selbst ins Gesicht spucken.
Soviel Feigheit! Solch eine Unentschlossenheit!
Ich greife ohne hinzusehen in den kleinen Schrank, nehme die Rasierklingen und..... nein.
Ich habe es dir versprochen.

Irgendwie muss es weitergehen.
Ich schreibe dieses Kapitel selbst zu Ende.
Und dann werde ich nach dir suchen.