
Chapter Zero ~ Living again where your shadow falls
Immer noch ausgelaugt von den letzten Tagen krame ich nach meinem Handy, während ich den Anrufbeantworter abhöre. Natürlich, tausende Anrufe von der Band, dabei hatte ich ihnen gesagt, dass ich nicht zum Interview kommen werde.
Ein allen bekannter Ausländer in der Band ist genug, außerdem bin ich doch nur der Drummer.
Meine nächsten Schritte sind in Richtung Bad, wieder einmal. Doch diesmal unter die Dusche. Wie Feuer brennen die blutverkrusteten Schnitte auf meinem Unterarm unter dem heißen Wasserstrahl.
Und immer noch rede ich mir ein, dass ich unwichtig bin.
Ein Gaijin, nur ein ersetzbares Rädchen in einer Maschine, die, vom Wahnsinn getrieben, Wahnsinn produziert.
Insane.
Wahrscheinlich werden Saith und Kana sich angiften, Ansgar wird sich tausendmal entschuldigen und Cain wird so unter Drogen stehen, dass er vom Interview nichts mitbekommt.
Wahrscheinlich? Zweihundertprozentig.
Und darum: Was soll ich dort? Ich bin nicht der Typ, der ein Hotelzimmer verwüstet und ich bin auch keiner, der erstmal Tabletten einwirft, um die Welt rosa zu sehen.
Der Griff nach dem Handtuch tausendmal geübt.
Das Handy am Ohr, ziehe ich mich an und könnte mich wieder einmal für meine Vorhersagen küssen. Das Interview ein Desaster, Saith weg, Kana verletzt, Cain betrunken und Ansgar der Tröster der verlorenen Seelen.
"Ein Restaurant? Beim MTV-Gebäude? Okay, in zehn Minuten bin ich bei euch."
Mit dem Jeep bekomme ich jetzt unter Garantie keinen Parkplatz, egal, wie berühmt ich bin - also Motorrad.
Der kalte Wind, der unter meine Lederjacke weht, bläst mit die letzte Müdigkeit aus den Knochen.
Hoffentlich reißen die Wunden nicht wieder auf, bete ich, während ich das Bike vor dem Restaurant parke.
Verzeih, ich habe nicht gesehen, dass du mir entgegenliefst. Und jetzt setzt du dich auf meinen Schoß, weil ich deinen Stuhl in Beschlag genommen habe.
Schlecht gelaunt schauen sie alle drein. Also beschließe ich, etwas Stimmung in den tristen Morgen zu bringen und küsse dich scherzhaft.
Doch in Sekundenbruchteilen wird der Spaß bitterer Ernst - dein Kuss ist süßer als ich mir je gewagt hätte zu träumen und dein Blick ein paar Minuten später erzählt mir, dass du ebenso verwirrt bist wie ich.
Was war das?
Ich erinnere mich nur noch an das Chaos, den Bus mit den völlig planlosen Musikern, deine Augen und...diesen Kuss.
Er war es, der alles begonnen hat.
Damals.
Und ich schmecke ihn noch heute auf meinen Lippen, diesen herben Stich der Drogen, die du genommen hattest, die Süße deiner Zunge.
Cain.
Mein Koichi.
Ich liebe dich noch immer.
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